Faul macht krank - warum Tiere beschäftigt werden

In freier Wildbahn lebende Tiere sind vor allem damit beschäftigt, an genug zu Nahrung zu kommen – und dabei nicht von anderen gefressen zu werden. Dafür müssen sie ständig durch die Gegend wandern und sich auch etwas einfallen lassen, um z.B. an leckere Früchte oder Nüsse zu kommen, die unter stacheligen oder harten Schalen verborgen sind. Kreatives Tüfteln ist oft Alltag im Freiland (insbesondere bei Orang-Utans).

Tiere in zoologischen Einrichtungen brauchen sich weder um ihr leibliches Wohl noch um mögliche Feinde zu sorgen - sie haben also viel Zeit für andere Dinge. Was tun mit dieser Zeit? - Damit keine Langeweile aufkommt, müssen sich die Menschen stattdessen etwas einfallen lassen, um den tierischen Zoo-Alltag zu bereichern. Das reicht von einfachen Strohballen, Ästen, über Jutesäcke, Pappkartons bis hin zu kompliziert gebauten Futterapparaturen, die in all ihren Eigenschaften mit allen Sinnen und Körperteilen entdeckt werden können – und mit denen auch andere, dafür eigentlich vom Menschen nicht dafür vorgesehene, Einrichtungsbestandteile manipuliert (bearbeitet) werden können. Manipuliert wird also nicht nur im Freiland, sondern auch unter menschlicher Obhut, nur eben manchmal an und mit anderen Gegenständen.

Affe malt

Painting Party

Warum Menschenaffen malen hat die unterschiedlichsten Gründe. Im Zoo Krefeld begann die Geschichte auf jeden Fall so: im Jahr 2006 wurde die Affendame Sandra dabei beobachtet, wie sie die Tierportraitmalerin des Zoos nachahmte, indem sie mit einem Stöckchen im Rindenmulch "malte".

Christine Peter, Fachfrau für Tierbeschäftigung bot Sandra Papier und Wachsmalstifte an. Diese tauschte sie gerne gegen die Stöckchen ein und zauberte die ersten Kunstwerke auf's Papier. Schon bald zog sie die Aufmerksamkeit ihrer Mitbewohnerinnen auf sich und es dauerte nicht lange, bis die erste "Künstlerschülerin" Sandra nachahmte und die zweite Künstlergeneration geboren war. Sita malte leidenschaftlich mit Kreide. Auch noch, als Sandra den Krefelder Zoo verließ. Allerdings war sie nicht lange die alleinige Künstlerin. Denn auch Tilda "erlernte" das Malen selbstständig durch das Abschauen bei Sita. Nach Sita folgte unser Künstler Barito, der heute in Frankreich lebt und seine Kunst ruhen lässt. Aber da das Malen seit 2006 ein fester Bestandteil der Tierbeschäftigung im Zoo Krefeld ist, wurde im Tropenhaus schon der Künstlernachwuchs mit Farben gesichtet. Wir sind also gespannt, ob die Tiermalerei weiter geht.

Aber nicht nur in zoologischen Einrichtungen wird gemalt. In der Auffangstation von Jane Goodall, Tchimpounga, sind Painting Partys eine lustige Abwechslung für die Schimpansen-Kinder. Hier wird wie wild gekleckst, geschmiert, gemalt, gepanscht.

Christine Peter und Heinz Hachel

Die mit den Affen malt

Christine Peter (im Bild mit Heinz Hachel von Kunstbüro Düsseldorf) ist gebürtige Berlinerin, aufgewachsen in Zehlendorf, hat eine Ausbildung als medizinisch-technische Assistentin gemacht und danach auch in diesem Beruf gearbeitet. Im Jahr 2002, da war sie gerade 40 Jahre alt, kündigte sie ihren sicheren Job, um endlich ihren Traum zu leben: Hauptberuf Tierbeschäftigung!

Auf die Idee mit Affen zu malen, kam sie durch die bekannten Malexperimente mit unseren Gattungsnachbarn und ihre eigene Malerei. Die erste "Malsession" fand in Duisburg mit Orang-Utan Dame Susi statt. 

Jede Malsesssion läuft individuell ab, ist abhängig vom Charakter und Temperament des "Künstlers". Gemalt wird mit Fingerfarben, also ungiftigen Produkten für Kleinkinder.

Christine hat auch mit unserem Künstler Barito gearbeitet. Er war der Erste, der auf Leinwand gemalt hat: kraftvoll, dynamisch und wild, mit Pinsel, Tuch, Schwamm und seinen haarigen Unterarmen.


Lesen Sie mehr über Christine Peter und ihre Arbeit im Interview mit Heinz Hachel auf www.affenbrut.de

Film Praktikum in der Tierbeschäftigung

"Praktikum" in der Tierbeschäftigung

Du möchtest mal hinter die Kulissen des Zoo Krefeld schauen und Christine Peter bei ihrer Arbeit begleiten? Kein Problem! Beim basteln von Beschäftigungsmaterial für Stachelschwein, Pavian, Krallenaffe oder Orang-Utan erlebst du selbst, wie der Tag einer Fachfrau für Tierbeschäftigung aussieht. Und die Reaktion bei der "Übergabe" der Geschenke für die über 35 Tierarten wird diesen Tag zu einem ganz Besonderen machen.

Die Teilnahme ist für Erwachsene Samstags und Sonntags von 9-15 Uhr für € 180 über den Zoo Krefeld - individuelle Führungen direkt buchbar.

Bitte beachten: Es ist kein direkter Kontakt zu den Tieren gestattet. Auch die Pfleger selbst haben keinen Körperkontakt zu den Tieren. So behalten die Wildtiere eine gewisse Distanz zu den Menschen. An dem "Praktikum" nehmen mehrere Personen teil.

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